Eine Frau macht eine Drehhaltung auf der eher hellen hejhej-mat

Yoga in Gebärdensprache

Heute haben wir etwas besonderes für dich. Du kennst unsere Mission, Yoga für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Hierbei kooperieren wir mit Yogalehrer:innen, die genau das verkörpern. Wir sind daher sehr glücklich mit Lemonia Rose zusammenzuarbeiten. Ab sofort gibt es auf unserem Youtube Kanal Yoga in Gebärdensprache für schwerhörige oder taube Menschen oder auch wenn du neugierig bist, wie Inklusion im Yoga möglich ist.

Bei unserem Dreh in Köln war Lemonia mit einer Dolmetscherin. So konnten wir die Youtube Videos mit Voiceover aufnehmen, damit sie für viele Menschen zugänglich sind. Vielen Dank Lemonia für deine wichtige Arbeit. Im Folgenden haben wir Lemonia ein paar Fragen über ihre Beziehung zu Yoga und ihren Unterrichtsstil gestellt. Außerdem verrät sie uns 5 Tipps, wie Yogalehrende ihr Angebot barrierefreier und inklusiver gestalten können.

hejhej: Wer ist Lemonia?

Mein Name ist Lemonia Rose. Ich bin in Athen geboren und aufgewachsen. Seit 19 Jahren lebe ich nun in Deutschland und wohne in Köln. Ich bin 40 Jahre alt und eine stolze Mutter von 3 Kindern.

Als zertifizierte Yoga-Lehrerin, ausgebildet an der Samtosha Academy in Recklinghausen, möchte ich Yoga für taube oder schwerhörige Menschen zugänglich machen.

Aufgrund der Herausforderungen, die uns die Corona-Pandemie beschert hat, habe ich meinen Yoga-Unterricht von Präsenz auf einen Online-Unterricht verlagert, um Yoga-Begeisterte weiterhin erreichen zu können. Dabei bin ich bis heute geblieben.

hejhej: Wie war deine erste Yoga Begegnung? Erzähle uns gern kurz davon.

Mit 20 Jahren hatte ich erstmals Kontakt mit Yoga, als eine Person in meiner Theatergruppe mich dazu brachte. Damals ließ mein Interesse jedoch nach etwa sechs Monaten nach.

Die wahre Leidenschaft für Yoga entfachte bei mir erst nach einem Yoga-Retreat in Thailand. Als ich 33 Jahre alt war, suchte ich nach Möglichkeiten, meinen Stress abzubauen. Schließlich schlug mir mein Mann vor, einen zehntägigen Yoga-Retreat in Thailand zu besuchen. Seitdem habe ich dem Yoga mein Herz verschrieben.

hejhej: Was bedeutet Inklusion im Yoga für dich?

Inklusion im Yoga ist für mich von grundlegender Bedeutung. Jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder Einschränkungen, sollte die Möglichkeit haben, die wohltuenden Vorteile des Yogas zu erfahren. Mein Ziel ist es, Barrieren zu beseitigen und sicherzustellen, dass auch taube oder schwerhörige Menschen einen Zugang zur Welt des Yogas erhalten.

Die Brücke auf der eher hellen hejhej-mat

hejhej: Wie zeichnet sich dein Yoga Unterricht aus?

Mein Unterricht ist stark auf visuelle Elemente ausgerichtet, da meine Hauptzielgruppe hauptsächlich aus tauben oder schwerhörigen Menschen besteht. Aus diesem Grund verzichte ich auf die Verwendung von Musik während des Unterrichts. In hörbaren Yoga-Klassen kann Musik oft dazu dienen, den Atemrhythmus oder die Meditation zu begleiten. In meinem Unterricht hingegen zeige ich durch Gebärden und Handbewegungen, wie die Übungen ausgeführt werden sollen. So kann ich z.B. Anweisungen zur Atemfrequenz oder zur Intensität der Atmung geben.

Da die musikalische Begleitung wegfällt, arbeite ich stattdessen mit einem Timer, der durch Vibration ein Signal gibt, wenn die vorgesehene Zeit für eine Übung abgelaufen ist.

hejhej: Kannst du uns was dazu sagen, was bewusst vermieden werden sollte, damit Yoga Angebote inklusiver werden? Vielleicht auch etwas, was du bewusst vermeidest?

Einige Yoga-Lehrer:innen sprechen ununterbrochen während des Unterrichts, was für mich, da ich taub bin, problematisch ist. Diese Herangehensweise ist für mich weniger ansprechend. Ich finde es deutlich effektiver, wenn die Yoga-Praktiken visuell vermittelt werden, da ich auf diese Weise alles erfassen kann.

Dasselbe gilt für die üblichen Begrüßungsrunden, die oft mit Smalltalk beginnen. Hier besteht die Möglichkeit, Technologien einzusetzen, die die gesprochene Kommunikation übersetzen oder visuell darstellen können, um die Inklusion und das Verständnis für alle Teilnehmenden zu verbessern.

Hinter den Kulissen bei unserem Youtube Dreh in Köln

hejhej: Verrätst du uns zum Abschluss noch allgemeine 5 Tipps, wie Yogalehrende ihr Angebot barrierefreier und inklusiver gestalten können?

Um Yoga für alle zugänglich und inklusiv zu gestalten, können Yogalehrende einige wichtige Schritte unternehmen:

  1. Nutzung von Technologie: Nutze Technologien wie z.B. Smartphones, damit gesprochene Inhalte übersetzt oder in visueller Form angezeigt werden können.
  2. Einsatz von Gestik und Mimik: Demonstriere Yoga-Übungen und Atemtechniken durch den gezielten Einsatz von Gestik und Mimik, um die Verständlichkeit für alle Teilnehmer zu erhöhen.
  3. Taktile Signale für Meditation und Entspannung: Sanfte Berührungen oder Schulterklopfen können verwendet werden, um z.B. das Ende von Meditationen oder Entspannungsübungen anzukündigen.
  4. Platzierung klug wählen: Ordne die Anfänger zwischen die erfahrenen Teilnehmer an, damit sie sich an diesen orientieren können.
  5. Verwendung von Handzeichen: Statt gesprochener Anweisungen können Handzeichen verwendet werden, um anzuzeigen, wie oft geatmet werden soll oder wo am Körper die Übung ausgeführt werden soll.

Herzlichen Dank Lemonia für deine wichtigen Worte und deine Zeit. Wir freuen uns sehr darüber, alle mit dir gefilmten Videos auf unserem Youtube Kanal zu veröffentlichen. Danke, dass wir Yoga gemeinsam inklusiver gestalten!

Hier findest du Lemonia auf Instagram.

Das neuste Video mit Lemonia: