Qi Gong ist für uns noch ziemlich neu: Wir haben bisher wenig Erfahrung damit und möchten deshalb auch nicht so tun, als wären wir Expert*innen. Was wir aber sind, ist neugierig. Denn vieles, was Qi Gong ausmacht, fühlt sich für uns gleichzeitig vertraut an. So geht es bei Qi Gong wie im Yoga um bewusste Bewegung, Atmung, Konzentration und die Idee, sich Zeit zu nehmen, um die eigene Wahrnehmung wieder stärker auf den Körper zu richten.
Grund genug für uns, einmal genauer hinzuschauen: Was ist Qi Gong eigentlich und woher kommt die Praxis? Außerdem haben wir auf unserem YouTube-Kanal eine Einheit für euch, mit der ihr es ohne Vorerfahrungen gleich einmal selbst ausprobieren könnt.
Was ist Qi Gong?
Qi Gong ist eine traditionelle chinesische Praxis, in der Bewegung, Atmung und Aufmerksamkeit miteinander verbunden werden. Ihre Wurzeln reichen weit in die chinesische Geschichte zurück. Über lange Zeit entwickelten sich unterschiedliche Formen im Umfeld chinesischer Gesundheitspraktiken sowie daoistischer und buddhistischer Traditionen.

Der Begriff selbst setzt sich dabei aus zwei chinesischen Wörtern zusammen: „Qi“ wird häufig mit Lebensenergie übersetzt und kann auch mit Atem in Verbindung gebracht werden. „Gong“ bedeutet vereinfacht so viel wie Arbeit, Übung oder eine durch kontinuierliche Praxis entwickelte Fähigkeit. Qi Gong lässt sich deshalb ungefähr als die „kontinuierliche Arbeit mit dem Qi“ verstehen.
Es gibt zudem nicht das eine Qi Gong. Unter dem Begriff werden unterschiedliche Übungssysteme und Traditionen zusammengefasst.
Wie funktioniert Qi Gong?
Wer Qi Gong zum ersten Mal sieht, könnte zunächst denken: Da passiert ja gar nicht mal so viel. Doch genau darin liegt für Praktizierende ein Teil des Reizes. Viele Qi Gong Übungen bestehen aus langsamen, fließenden Bewegungen. Diese werden mit einer bewussten, häufig ruhigen und tiefen Atmung sowie konzentrierter Aufmerksamkeit verbunden. Neben bewegten Formen gibt es auch noch ruhigere, meditative Varianten, bei denen kaum oder gar keine Bewegung stattfindet.
Es geht beim Üben auch überhaupt nicht darum, möglichst weit in eine Position zu kommen oder eine Bewegung besonders schnell auszuführen. Die Bewegungen, Körperhaltungen, Atmung und Aufmerksamkeit werden gemeinsam Teil der Praxis und machen Qi Gong damit zu einer sogenannten „Mind-Body-Praxis“. Also einer Form der Bewegung, bei der körperliche und meditative Elemente zusammenkommen.
Welche Wirkung hat Qi Gong?
Wenn über die Wirkung von Qi Gong gesprochen wird, lohnt sich ebenfalls ein etwas differenzierter Blick. Traditionell wird Qi Gong mit der Vorstellung verbunden, das Qi im Körper zu kultivieren beziehungsweise in Balance zu bringen.
Aus wissenschaftlicher Perspektive wird hingegen vor allem untersucht, welchen Einfluss die Kombination aus sanfter Bewegung, bewusster Atmung und fokussierter Aufmerksamkeit auf körperliches und psychisches Wohlbefinden haben kann. Zu einzelnen Bereichen wie Balance und Sturzprävention gibt es dabei positive Forschungsergebnisse. Auch mögliche Effekte bei chronischen Schmerzen und kognitiven Fähigkeiten wurden untersucht. Die Studienlage ist jedoch je nach Fragestellung unterschiedlich und teilweise noch begrenzt. Qi Gong sollte deshalb nicht als medizinisches Heilversprechen verstanden werden. Mehr dazu zum Beispiel hier.

Qi Gong und Yoga, für uns ähnlich und doch unterschiedlich
Natürlich haben wir uns gefragt, wie Qi Gong und Yoga eigentlich zueinander stehen.
Die beiden Praktiken haben unterschiedliche kulturelle und philosophische Ursprünge: Yoga hat seine Wurzeln in Indien, Qi Gong in China. Trotzdem gibt es Berührungspunkte. Beide können Körperhaltungen beziehungsweise Bewegungen mit Atmung, Konzentration und meditativen Elementen verbinden. Deshalb werden Yoga, Tai Chi und Qi Gong heute teilweise unter dem Begriff „meditative movement“ zusammengefasst.
Wer Yoga praktiziert, wird also vielleicht manche Aspekte oder Effekte wiedererkennen, ohne dass Qi Gong deshalb einfach eine andere Form von Yoga wäre. Genau das finden wir spannend.
Qi Gong für Anfänger*innen: Muss man etwas können?
Nein und das gefällt uns ganz besonders. Für viele Qi Gong Übungen für Anfänger*innen braucht es weder besondere Beweglichkeit noch Kraft oder Vorerfahrung. Es ist damit eine recht inklusive Praxis.
Auch Equipment braucht es kaum. Bequeme Kleidung und ein Ort, an dem du dich gut bewegen kannst, reichen für den Einstieg aus. Wenn du gerne auf einer weichen, stabilen Unterlage praktizierst, kannst du natürlich auch deine hejhej-mat nutzen. Sie kann dir einen festen Platz für deine Praxis geben.
Lust Qi Gong mit uns auszuprobieren?
Wir stehen wie gesagt selbst noch ganz am Anfang unserer Auseinandersetzung mit Qi Gong und können eine jahrtausendealte, vielfältige Tradition natürlich nicht allumfassend erklären. Wir wollten euch aber einen kleinen Einblick geben und zudem Raum dafür schaffen, etwas Neues kennenzulernen, mit Respekt vor seinem Ursprung.
Wir haben zudem eine Qi Gong Class für Anfänger*innen auf unserem YouTube-Kanal. Du brauchst dafür keine Vorkenntnisse.
Falls du dich noch weiter einlesen möchtest:
Es gibt unheimlich viel Literatur zu Qi Gong. Ein Klassiker ist zum Beispiel „Qigong: Grundlagen, Methoden, Anwendungen“ aus dem Jahr 1997 von Kenneth Cohen im Krüger Verlag.



