Die Yoga-Philosophie und Nachhaltigkeit – Eine Interpretation der Yamas

Yoga-Philosophie und Nachhaltigkeit sind auch neben der Matte gut vereinbar.

Betrachten wir die Yoga-Philosophie mal aus der Perspektive der Nachhaltigkeit.

Zu Beginn dieses Artikels müssen wir eine kleine Randnotiz zu dem hinzufügen, was wir als Yoga-Philosophie bezeichnen, denn die Yoga-Philosophie ist ein weites Feld.

Wir beziehen uns auf das Yoga-Sutra von Patanjali. Patanjali war ein indischer Philosoph, Gelehrter und Autor. Für einige ist er auch als „Vater des Yoga“ bekannt. Über sein Leben wissen wir nur wenig und er lebte irgendwann zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. Und dem 4. Jahrhundert n. Chr.

Patanjali, der achtgliedrige Yogapfad, die Yoga-Philosophie und Nachhaltigkeit

Das Yoga Sutra ist in Sanskrit geschrieben. Sanskrit ist eine alte indische Sprache und es ist sehr wahrscheinlich, dass du das eine oder andere Wort in Sanskrit bereits in deinem Yoga-Kurs gehört hast.

Mit seinem Werk hat uns das Yoga Sutra von Patanjali einen Leitfaden gegeben, der uns eine bewussten Lebensweg sowohl als Schüler als auch als Lehrer aufzeigt. Dieser Pfad ist in acht Schritte unterteilt und wird daher auch als der achtgliedrige Yoga-Pfad bezeichnet.

Die ersten beiden Stufen sind die sogenannten Yamas und Niyamas.

Die Yamas in Bezug auf Nachhaltigkeit

Die Yamas definieren unser Verhalten in Beziehung mit dem Außen und können daher in Bezug auf Nachhaltigkeit wunderbar interpretiert werden:

  • Ahimsa – Gewaltlosigkeit ist eine der ersten Disziplinen, die du lernst, wenn du tiefer in die Yoga-Praxis eintauchst. Das Üben von Gewaltlosigkeit hat viele Facetten. Es beginnt damit, gütig zu sich selbst zu sein und sich selbst zu vergeben. Zu sich selbst freundlich zu sein könnte sich zum Beispiel dadurch zeigen, dass du dir besonders wohltuendes Essen zubereitest. Ahimsa weitet sich darauf aus, aufmerksam und respektvoll gegenüber der Welt zu sein, die dich umgibt. Ahimsa ist für uns ein weiteres Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit und Yoga so gut zusammenpassen: Gütig zu sein bedeutet auch, der Umwelt keinen Schaden zuzufügen und einen Ort zu schaffen, der für zukünftige Generationen lebenswert ist.
  • Satya – bedeutet Wahrhaftigkeit. Es ist ein weiteres Prinzip aus der Yoga-Welt, das wir etwas anders interpretieren: Unsere Gedanken, Emotionen und Stimmungen ändern sich ständig, aber sie erschaffen unsere eigene Wahrheit. Wir identifizieren uns oft vollständig mit unseren Emotionen und Gedanken, den guten, aber meistens den schlechten. Um ganz ehrlich zu uns selbst zu sein, müssen wir ein wenig Raum, Stille oder Entschleunigung des Geistes schaffen. Es lohnt sich, unsere persönliche, rationalere Wahrheit zu schaffen, in der es sich zu leben lohnt. Nur wenn Sie eine Wahrheit finden, die es wert ist, gelebt zu werden bekommst du die Kraft, sich für andere und eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen.
  • Asteya – das dritte Prinzip bedeutet so etwas wie „nicht stehlen“. Wir übersetzen es gerne sehr frei mit dem Konzept des Minimalismus, da Stehlen auch etwas mit Wollen und Wünschen zu tun hat. Minimalismus bedeutet, frei von Ballast, überflüssigen Dingen, Erwartungen und Anforderungen an andere und an uns selbst zu sein. Missverständnisse über das Leben loswerden, das Wollen und Wünschen loszuwerden. Am Ende geht es nur darum: Loslassen. 
  • Aparigraha wird oft als Nicht-Gier und Nicht-Anhaftung übersetzt. Je mehr wir materielle Besitztümer horten, desto mehr belasten wir uns mit Gepäck und desto mehr sorgen wir uns um unsere Habseligkeiten. Aparigraha hilft uns dabei, ein weniger überladenes Leben zu führen.
  • Brahmacharya ist das letzte Prinzip der Yoga-Philosophie, das sich mit den moralischen Gelübden für die Welt um uns herum befasst. Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet es tatsächlich so etwas wie Abstinenz. Abstinenz bedeutet für uns, deine Energie bewusst zu lenken. Es bedeutet, sich von Dingen wie Klatsch oder Überkonsum fernzuhalten und eher zu meditieren oder draußen in der Natur zu sein.

Wenn wir uns die Yamas ansehen, denken wir oft darüber nach, wie weise dieser Mann Patanjali bereits vor Hunderten von Jahren war. Was wäre, wenn seine Schriften von mehr Menschen außerhalb der Yoga-Welt gelesen worden wären? Wir glauben, dass nicht nur wir die Yamas aus einer nachhaltigen Perspektive betrachtet werden können, sondern die komplette Yoga-Philosophie und Nachhaltigkeit sehr gut zusammen passen. Diese Art der Interpretation gibt uns Hoffnung und hilft uns oft als Erinnerung in herausfordernden Situationen. Wir hoffen, durch diesen Artikel geht es dir genauso. 

Sei gespannt auf die nächste Interpretation aus Sicht der Nachhaltigkeit der Niyamas.

Foto Credits: This is Holy & Anne Caspar